23/07/2020

Schwarzenburg

Vifian Möbelwerkstätte AG, Nicole Böni

Vifian Möbelwerkstätte AG

Ein Jahr Geschäftsführung bei der Vifian Möbelwerkstätte AG – Ein Interview mit Christian Petrini, CEO der Vifian Möbelwerkstätte AG.

Am 1. Juni 2019 hat Christian Petrini die Geschäftsführung der Vifian Möbelwerkstätte übernommen. Die operative Führung des Familienunternehmens wurde von Hannes Vifian, Inhaber in der 4. Generation, in neue Hände übergeben. Ein Jahr später erklärt Christian in einem spannenden Interview, was ihn zu dieser Stelle bewegt hat, welche Herausforderungen es zu meistern gab und in welche Richtung es das Unternehmen künftig zieht. 

Christian, wer ist die Vifian Möbelwerkstätte für dich und was macht das Unternehmen so speziell?

Die Vifian Möbelwerkstätte ist heute unglaublich viel mehr als ein einfacher Möbelproduzent. Wir sind ein Sparringspartner für unsere Kunden und Partner. Die gesamte Crew sieht das Unternehmen als ein Projekt, das sich stetig weiterentwickelt. Daran arbeitet jeder Einzelne mit seinen Stärken, um es Stück für Stück zu verbessern. Diesen Spirit bewundere ich und er ist genau das, was wir in die Welt tragen wollen.

 

 

Wie bist du in das Unternehmen der Vifian Möbelwerkstätte gekommen?

Hannes Vifian, der Inhaber der Vifian Möbelwerkstätte, und ich kennen uns schon gut 10 Jahre lang. Unsere Wege haben sich in dieser Zeit immer mal wieder gekreuzt. Als die aktuellen Megatrends das Unternehmen vor grosse Herausforderungen stellte, bin ich 2017 zur Crew gestossen.

 

 

Welche Position hattest du vor deiner Geschäftsführungs-Zeit und was war deine konkrete Aufgabe?

Als ich ins Unternehmen getreten bin, durfte ich zwei Jahre lang als Change- & Innovation Manager eine neue Führungs- und Teamkultur vorantreiben. In dieser Zeit habe ich zudem spannende Kunden und neue Geschäftsfelder kennen- und schätzen gelernt. Ziel meiner Aufgabe war es, unser gesamtes Unternehmen zu transformieren und für die Zukunft fit zu machen.

 

 

Wie kam es dazu, dass dir die Geschäftsführung der Vifian Möbelwerkstätte AG angeboten wurde?

Ich denke, dass ich diese spannende Position in erster Linie dem Vertrauen von Hannes Vifian und der Vifian-Crew verdanke. Der Schlüsselentscheid wurde via Stimmverfahren auf Geschäftsleitungsebene getroffen. Ich wurde also sozusagen demokratisch gewählt.

 

 

Wieso hast du diese Herausforderung angenommen und welches war deine persönliche Intention?

Ein Unternehmen mit knapp 60 Mitarbeitenden zu führen, das mitten in der Transformation steckte, ist wahrlich eine Herausforderung. Diese Stelle war für mich aber auch der nächste logische Schritt in meiner Karriere. Die Challenge zu beweisen, dass Manufakturen in der Schweiz durchaus ihre Berechtigung haben, und dass es nicht so sehr darauf ankommt, was man tut, sondern wie man es tut, wollte ich gerne annehmen. Ich glaube fest daran, dass wir diese Botschaft als Team mit viel Empathie nach aussen tragen können.

 

 

Was war der gewichtigste Punkt, der deine Entscheidung am meisten beeinflusst hatte?

Das Vertrauen der Crew und jenes von Hannes Vifian. Sie gaben mir das Gefühl, in dieser neuen Position dem Unternehmen am besten zu dienen. Denn mit dem, was wir vorhatten, konnten wir bestehende Arbeitsplätze sichern und neue schaffen.

 

 

Wann fand die Übergabe  zeitlich statt und gab es ein Übergabe-Ritual?

Inoffiziell haben wir intern den CEO-Wechsel per 1. Mai 2019 vollzogen. Selbstverständlich durfte ein guter Tropfen Wein dabei nicht fehlen.

 

 

Wie hat das Team den CEO-Wechsel aufgenommen?

Für das Team war es wichtig, Klarheit zu schaffen, wer in Zukunft die Verantwortung für die Geschäftsleitung tragen würde. Wir waren lange interdisziplinär unterwegs, was auch Unsicherheiten schaffen kann.

 

 

Und wie haben die Kunden und Partner der Vifian Möbelwerkstätte den CEO-Wechsel aufgenommen?

Mit Recht haben viele Kunden und Partner Hannes Vifian Respekt gezollt. Denn es ist nicht einfach, ein Familienunternehmen, das über viele Jahre geformt und weiterentwickelt wurde, in 4. Generation loszulassen. Grundsätzlich waren unsere Kunden und Partner gespannt, welchen Weg die Vifian Möbelwerkstätte einschlagen würde. Sie haben mich sehr herzlich in meiner Position empfangen. Dafür bin ich dankbar.

 

 

Was war das Erste, was du optimiert hast und wieso?

Da ich das Glück hatte, die grossen und wichtigen Veränderungen bereits in meiner vorhergehenden Funktion als Change- und Innovation Manager begleiten zu dürfen, musste ich die neue Funktion nicht für Veränderungen «missbrauchen». Ich konnte mich voll und ganz der weiteren Transformation unserer Unternehmung widmen, also letztendlich unseren Kunden und unseren Mitarbeitenden.

 

 

Welche Ziele hast du dir gesteckt und bis wann wollt ihr diese Ziele erreichen?

Wir haben etliche Etappenziele erreicht, sind uns aber bewusst, dass wir noch viele Herausforderungen meistern müssen. In unseren strategischen Geschäftsfeldern Wohn- und Arbeitswelten, möchten wir zu den ersten Adressen gehören, wenn es um Premium-Möbel geht, um Individualität oder um komplexe Entwicklungen für Customized Solutions, die wir zusammen mit unseren Stakeholdern entwickeln.

 

 

Welche Herausforderungen entstehen in diesem Zusammenhang?

Weg vom Produkt und hin zur Lösung ist für viele unserer langjährigen Mitarbeitenden ein emotionales Thema. Transformation soll immer möglichst alle Menschen mitnehmen und mit der neuen Vision sollen sich alle identifizieren können.

 

 

Wie habt ihr diese Herausforderung gemeistert? 

Wir haben eine Führungskultur auf Augenhöhe aufgebaut. Zudem arbeiten wir in interdisziplinären Teams und vermeiden so das «Gärtlidänke». Wir pflegen eine offene Kommunikationskultur und versuchen an regelmässigen Postenläufen alle Crew-Mitglieder einzubinden.

 

 

Wie und wo wird dieser Kulturwechsel spürbar?

Ich habe diesen Kulturwechsel vor allem im Team und im Umgang bei mit der Arbeit bemerkt. Führen durch Vertrauen und Menschen einbinden in wichtige Entscheidungen, erschaffen Selbstvertrauen und Identifikation mit dem Unternehmen. Die eigene Arbeit wird plötzlich zur Passion. So versuchen wir jedem Team-Mitglied die Möglichkeit zu geben, sich individuell zu entfalten. Damit entsteht ein «Miteinander» und ein Team-Spirit, der unschlagbar ist.

 

 

Welche Produkte habt ihr in deiner Geschäftsführungs-Zeit lanciert?

Ich denke, es war eher die DNA unserer Kunden, die wir in Form von individueller Inneneinrichtung und Customized Furniture «gebaut» haben. Wenn dann mal aus einem Bedürfnis ein Markt geworden ist, haben wir das Produkt im Scrum-Verfahren weiterentwickelt. So entstanden z.B. vifian’desk, vifian’frame und set&play.

 

 

Wie habt ihr herausgefunden, dass aus einem für einen Kunden individuell erstellten Produkt ein potenzieller Markt besteht?

Unsere Kunden und Partner helfen uns zu verstehen, was sie brauchen. Sie geben uns wertvolles Feedback, ob unsere Prototypen funktionieren und wie sie verbessert werden können. Ist ein Produkt in Form- und Designsprache sowie in der Nutzerfreundlichkeit perfekt auf unseren Kunden abgestimmt, und kann es so auch auf andere Kunden adaptiert werden, ist es marktreif.

 

 

Welchen Einfluss hatte Covid-19 auf die Vifian Möbelwerkstätte und wie konntet ihr die Zeit überwinden? Gibt es weitere, künftige Massnahmen, die euch vor einer zweiten Welle schützen?

Wir sind sehr gut in das aktuelle Jahr 2020 gestartet. Natürlich hat die Covid-19-Krise auch unser Unternehmen überrascht. Wir waren aber in der glücklichen Lage, dass der Grundstein für die Digitalisierung unserer Prozesse schon vor der Krise gesetzt wurde. Praktisch alle Mitarbeitenden in der Verwaltung konnten umgehend ins Home-Office wechseln. Unsere Produktion hat flächenmässig den Vorteil, dass wir die relevanten Abstände und Hygienevorschriften jederzeit einhalten können. Jedoch mussten auch wir einige Monate Kurzarbeit in Anspruch nehmen, was uns geholfen hat, die kritische Zeit zu überbrücken.

 

 

Christian, du hast nun viel über das vergangene Jahr und die aktuelle Situation erzählt. Doch was sind die nächsten Schritte der Vifian Möbelwerkstätte?

Wir laufen weiterhin mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und werden nicht aufhören, unsere Transformation voranzutreiben. Wir werden mit unseren Kunden noch enger zusammenarbeiten und als Partner individuelle Lösungen entwickeln. Im Wesentlichen geht es bei den nächsten Schritten der Vifian um die weiterführende Digitalisierung, Automatisierung, um neue Innovationen & Designs sowie um den Ausbau der Markenvisibilität. Doch das Wichtigste dabei ist, die richtigen Leute an Bord zu haben.

 

 

Willst du abschliessend noch etwas anfügen?

An dieser Stelle möchte ich mich bei der gesamten Crew und Hannes Vifian für ihre Geduld und ihr Durchhaltevermögen bedanken. Wichtig auch, dass Hannes Vifian weiterhin operativ als CFO & KAM für die Unternehmung da ist, wie auch strategisch als VRP.Danke, dass ihr mir Vertrauen schenkt, vollen Einsatz bringt und den Vifian-Spirit weiterlebt. Ihr als Menschen, die unermüdlich an unserem Projekt mitarbeiten, macht unsere Unternehmung letztendlich aus.

Bilder

Hannes Vifian übergibt Christian Petrini die Geschäftsführung der Vifian Möbelwerkstätte. Sie sind im Sitzungszimmer und reichen sich die Hände